Ja, wir waren mit in Berlin!!!

Und ja, wir waren mit dem Traktor in Berlin! Ein MEGA Erlebnis und sicherlich auch etwas verrückt. Wählt man doch bei normalen Städtetouren, wegen der vielen Kilometer, gerne mal als Alternative die entspanntere Zugfahrt! 650 km mit dem Traktor ist dann schon eine ganz andere Variante!!! 22 Stunden einfache Fahrt – im Schnitt mit kurzen Pausen mit 30 km/ h. In einem Konvoi mit 30 Traktoren aus Rheinhessen/Pfalz. 120 km vor Berlin wurden wir mit allergrößter Gastfreundschaft auf einem Spargelbetrieb, für Verköstigung und Übernachtung, empfangen. Das ist überhaupt ein Beispiel dafür, wie groß der Zusammenhalt unter den Bauern ist. Genauso wie die Anzahl der Traktoren, die sich aus dem gesamten Bundesgebiet auf den Weg nach Berlin gemacht haben, sowie alle die in Berlin dabei waren!

40 000 Demonstranten mit ca. 8600 Traktoren ist ja schon mal eine Ansage! Die Einfahrt in Berlin mit immer größer werdendem Konvoi war GÄNSEHAUTFEELING PUR. „Was wir alleine nicht schaffen, dass schaffen wir dann zusammen“, beschreibt die Gefühlswelt wohl ganz gut. Das war ein wichtiges Zeichen, denn wir wollen gehört werden und dass funktioniert leider nur mit großem auffälligen Auftritt! Auffallen, allen zeigen:

WIR sind da, wir sind die Produzenten der heimischen Lebensmittel, zu den besten Standards!!!!

Denn das ist, glaube ich, noch nicht jedem Verbraucher bewusst. Dem Verbraucher kann man das irgendwie gar nicht ganz verübeln… die Supermärkte sind voll, es gibt alles das ganze Jahr über, viele wissen gar nicht mehr, wann welches Produkt Saison hat. Woher auch?! Viel zu wenig erfährt man über die deutsche Landwirtschaft, die Produktion heimischer Lebensmittel. Selbst in den Schulbüchern wird sich diesem Thema zu wenig angenommen und wenn, meist mit falschen Fakten. Somit haben unsere jüngsten im Land auch nicht die Chance gutes Wissen über die deutsche Landwirtschaft vermittelt zu bekommen. Die ganze Problematik die die Landwirtschaft momentan umtreibt ist leider auch noch nicht bei allen Verbrauchern angekommen.

Mitverantwortlich hierfür sind sicherlich die Medien und die Presse. Das Thema scheint nicht wichtig genug!! Selbst die Masse an Traktoren und Demonstranten in der Hauptstadt letzen Dienstag (26.10.2019) hatte nicht bei allen Tageszeitungen oberste Priorität. Wir haben es noch nicht mal auf die Titelseite bei allen großen Tageszeitungen gebracht… ganz ehrlich, gab es was anderes Wichtigeres in Deutschland an diesem Tag, etwas das wichtiger ist, als die Gefährdung unserer deutschen Lebensmittelproduktion??

Die Organisation ‚LSV-Land schafft Verbindung‘ hat in kurzer Zeit diese Demonstration super geplant, organisiert und eine interessante Kundgebung in Berlin auf die Beine gestellt. Tolle Bauern, die mit Ihren Reden auf ganz viele unterschiedliche Problematiken aufmerksam gemacht haben. Die pauschale Düngekürzung wegen der Nitratprobleme im Grundwasser (obwohl die Auswirkungen der Düngeverordnung von 2017 noch nicht überprüft wurden und auch andere mögliche Ursachen noch zu untersuchen sind), immer weniger zugelassene Pflanzenschutzmittel ohne neue Alternativen („Durch das Verbot von Medikamenten, verschwindet die Krankheit nicht!“), die kostenintensiven Änderungen in der Tierhaltung für noch mehr Tierwohl, die Rückkehr des Wolfes, die zu großen Problemen bei Schäfern und Pferdehöfen führt, sowie Mobbing von Bauernkindern…Die Ansprache der vielen Problematiken war wichtig, interessant und sehr informativ… hat man bspw. in Gegenden wo der Wolf noch nicht vorgedrungen ist, keine Ahnung von den schwerwiegenden Problemen die die Anwesenheit des Wolfes auslösen kann. Jetzt wäre es wichtig „den Verbrauer“, der mit Landwirtschaft in all seinen Facetten so gar nichts zu tun hat, endlich mal ehrlich zu informieren.

Denn nur weil der Mainstream eine Richtung als richtigen Weg vermittelt, ist das oft nicht die Wahrheit!

Ehrlich ist hier das Haupt-Stichwort. Auch die Landwirtschaft muss was tun, und wir sperren uns nicht gegen Veränderung. Wir arbeiten mit und in der Umwelt und wollen diese sicherlich nicht zerstören. Aber wir wollen wissenschaftlich basierte Ansätze, die realistisch und praxisnah umsetzbar sind. Außerdem ist es wichtig, unsere, nach hohen Standards produzierten Lebensmittel, nicht mit Importware aus dem Ausland zu vergleichen. Ohne unsere Standards, die für sichere, qualitativ hochwertige und geprüften Lebensmittel stehen, ist natürlich im Ausland eine erheblich kostengünstigere Herstellung möglich.Deshalb sind auch wir alle als VERBRAUCHER gefragt!

Wenn man gute Ware haben möchte, dann haben diese hochwertigen Lebensmittel ihren Preis! Manchmal ist weniger mehr… und ganz ehrlich ein Produkt, dass man zu einem höheren Preis gekauft hat und dann auf dem Teller liegt ist irgendwie im eigenen Bewusstsein auch MEHR wert. Das bei uns viel in der Mülltonne landet, liegt auch daran, dass es „nichts“ kostet. Ein Smartphone schmeißt keiner so einfach in den Müll, aber ein restliches Stück Rinderroulade für 7,98 €/kg hat doch keinen (Geld-)Wert. Da zuckt man noch nicht mal, wenn man den Rest in der Mülltonne verschwinden lässt.

Wir hatten ein tolles Erlebnis in Berlin, ein Mega-Zusammenhalt aller grünen Berufe und das hat uns irgendwie gehypt. Die Berichterstattung in den Medien wirkte dann wieder etwas ernüchternd, aber wir sind dran und geben nicht auf!! Jetzt können wir nur hoffen, dass die Politik langsam wach wird und uns nicht immer weiter mit denselben Floskeln besänftigt, sofern sie überhaupt diskussionsbereit ist. Die Politik ist das eine, wir Verbraucher das andere! Auch wir können Wert darauf legen, was wir kaufen, und es muss nicht immer das Super-Sonderangebot des Discounters sein, oder die Milch zum absoluten Billigpreis.

Noch etwas nachdenkliches zum Schluss… viele Landwirte egal ob Ackerbauer, Viehhalter, Weinbauer und auch egal ob konventionell oder bio, alle die wir kennen, machen Ihren Beruf aus Leidenschaft, mit Überzeugung und mit Herzblut. Wissen doch heute viele nicht mehr welchen Beruf sie nach der Schule ergreifen wollen. In der Landwirtschaft ist es einigen oft schon im Kindesalter klar, dass sie in die Fußstapfen der Eltern treten wollen, nicht sollen!!! Zwang ist in unseren Generationen glücklicherweise nicht mehr zu finden. Ja, die jungen Leute wissen genau welche berufliche Laufbahn sie einschlagen wollen und machen das mit großer Leidenschaft und Hingabe… auch wenn wir hier nicht von einer 40 Stunden-Woche sprechen. Sie übernehmen oft Betriebe, die über Generationen gewachsen sind und führen diese zukunftsfähig fort, indem immer wieder neu entwickelte Techniken angewandt werden. Landwirte sind Menschen die mit und in der Natur arbeiten.

Sie sind für Insektenschutz, Naturschutz und Tierwohl!!!

Wer anderer Meinung ist, sollte sich erst mal mit dem „Bauern von nebenan“ unterhalten. Vielleicht kann so viel Unwissen in der Bevölkerung aufgedeckt werden.

Liebe Grüße vom Hof Neber

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